Ekel

Der Ekel vor Natürlichkeit

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Das Streben nach Perfektion und Vollkommenheit des Körpers hat die subjektive Wahrnehmung des Menschen in unnatürliche Bahnen gelenkt.

Der rasante Fortschritt in den Bereichen Technik, Medizin und Hygiene Anfang des 21. Jahrhunderts hatte eine verheerende Nebenwirkung: Mit der Zeit stellte sich eine zwanghafte Vorstellung vom Erlangen eines perfektionierten Körpers und eines keimfreien Umfeldes ein.

Diese kollektive Zwangsneurose kulminiert schließlich in einer Welt makelloser Formen, utopischer Ideale und steriler Technik – sie manifestiert sich in ausgeprägten Empfindungsstörungen und Ängsten. Der natürliche Körper gilt in dieser Gesellschaft nicht mehr als Schönheitsideal. Stattdessen erfahren absolute Reinheit und Makellosigkeit regelrecht mythische Überhöhung.

Ein einzelnes Haar im Achselbereich, eine Schuppe auf der Kopfhaut oder ein leichtes Husten rufen bei den Menschen zunehmend heftiges Ekelempfinden hervor. Ein nicht gänzlich perfektes Erscheinungsbild wird automatisch mit Ansteckungsgefahr und Krankheit gleichgesetzt.

Dagegen will sich der Mensch schützen. Dieses Bedürfnis nach Selbstschutz geht so weit, dass zwischenmenschlicher Kontakt mehr und mehr von hypochondrischen Tendenzen dominiert und schließlich verdrängt wird. Der Mensch grenzt sich ab, meidet Kontakt zu Anderen und zieht sich in ein für ihn sicheres, keimfreies Umfeld zurück.