Schwindende Emotionalität

Emotionen machen menschlich

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Jeder Mensch empfindet Gefühle wie Schmerz, Trauer, Wut und Liebe und verfügt auch über die Möglichkeit, diese als Emotionen auszudrücken und sie seiner Umwelt zugänglich zu machen.

Das Lächeln als natürliche Reaktion auf eine angenehme Erfahrung war einst selbstverständlich, doch heute tragen immer weniger Menschen ihre Gefühle nach außen. Dies ist nur eine der Folgen der Leistungsgesellschaft, die stets ein Mehr an Professionalität und Distanziertheit verlangte. Kommen Emotionen zum Ausdruck und führen zu Fragen nach dem persönlichen Befinden, also einer Offenlegung der intimen Gefühlswelt, wird dies als höchst unangenehm empfunden und mit reinen Floskeln abgetan.

Um solche Situationen gänzlich zu vermeiden, entwickelte der Mensch schließlich eine schützende Fassade vollkommener Emotionslosigkeit, durch die er irgendwann verlernte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Infolge dessen mutierte er zum isolierten Einzelgänger und verlor schließlich endgültig die Fähigkeit seine Gefühle in Worte zu fassen und für andere zugänglich zu machen. Er entwickelte sich so mehr und mehr zu einem seelenlosen Wesen, einer Maschine. Mit dem Unvermögen Gefühlen durch Emotionen Ausdruck zu verleihen, ging ein essentieller Bestandteil seiner Menschlichkeit verloren – denn erst Emotionen machen menschlich.